30.10.2026

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Science meets Industry Day 2026: Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie stärken

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2025 fand am 20. Oktober 2026 in Heidelberg der zweite Science meets Industry Day statt. Die gemeinsam vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) organisierte Veranstaltung brachte Forschende, klinisch tätige Wissenschaftler:innen sowie Vertreter:innen der Industrie zusammen. Ziel war es, die Zusammenarbeit zu stärken und die translationale Krebsforschung voranzubringen. Aufbauend auf den Diskussionen des Vorjahres lag ein besonderer Schwerpunkt darauf, bestehende Hürden in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie zu identifizieren.

Der Austausch begann bereits am Vortag der eigentlichen Veranstaltung: Bei einer geführten Besichtigung erhielten die Teilnehmenden aus der Industrie Einblicke in die Forschungs- und klinischen Infrastrukturen am Standort Heidelberg. Auf dem Programm standen das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT), die Drug Screening Unit am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) sowie der Neubau des KiTZ. Ein gemeinsames Dinner bot darüber hinaus Gelegenheit für informelle Gespräche und persönliche Kontakte im Vorfeld der Veranstaltung.

Den Rahmen des Events setzen

Prof. Melanie Börries, stellvertretende Sprecherin des DKTK, begrüßte die Teilnehmenden und unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie. Zum Auftakt des wissenschaftlichen Programms hob Prof. Stefan Pfister, Sprecher des DKTK, die starken Strukturen Deutschlands in der Krebsforschung hervor. Dazu zählen die Onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Centers, CCCs), das DKFZ, das DKTK und das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Er stellte verschiedene Aktivitäten des DKTK zur Förderung der Translation vor, darunter das DKTK Joint Funding-Programm, die neu eingeführten Anschubfinanzierungen (Pump-Priming-Projekte), standortübergreifende Working Groups sowie Initiativen zur Förderung von Unternehmertum und des wissenschaftlichen Nachwuchses. „Deutschland verfügt über eine gute Infrastruktur für die Krebsforschung. Unsere Herausforderung besteht jedoch darin, wissenschaftliche Erkenntnisse effizienter in die klinische Anwendung zu überführen. Starke Partnerschaften mit der Industrie und ein kontinuierlicher Dialog sind dafür unerlässlich“, betonte Stefan Pfister.

Han Steutel, Präsident des vfa, unterstrich die Notwendigkeit eines frühzeitigen Austauschs und gegenseitigen Vertrauens zwischen Wissenschaft und Industrie. „Herausragende wissenschaftliche Ideen müssen bei den Patientinnen und Patienten ankommen. Damit dies gelingt, müssen Wissenschaft und Industrie deutlich früher miteinander ins Gespräch kommen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen und gemeinsam Hürden überwinden“, sagte Han Steutel. 

Beide Redner verwiesen auf die Herausforderungen bei der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung. Dazu gehören komplexe regulatorische Anforderungen, langwierige Entwicklungsprozesse und der internationale Wettbewerb. Als gemeinsame Prioritäten nannten sie die Stärkung von Public-Private Partnerships und die Beschleunigung der klinischen Forschung.

Ein praxisnahes Beispiel für die Translation akademischer Forschung stellte Dr. Antonia Busse vom NCT vor. Anhand des Projekts ToMA4TA erläuterte sie die Entwicklung innovativer T-Zell-Rezeptor-Therapien vom DKTK bis zum NCT und zeigte auf, welche Herausforderungen bei der Überführung vielversprechender Ansätze in die frühe klinische Erprobung bestehen.

Was sucht die Industrie?

Auf Anregung aus der Vorjahresveranstaltung widmete sich eine eigene Session der Frage, welche Erwartungen Pharmaunternehmen an Partnerschaften mit akademischen Forschungseinrichtungen haben. Dr. Niko Andre von AstraZeneca betonte, dass wissenschaftliche Exzellenz allein nicht ausreiche, um Forschungsergebnisse erfolgreich in Innovationen zu überführen. „Deutschland verfügt über herausragende wissenschaftliche Expertise. Doch Exzellenz allein genügt nicht. Qualität, Geschwindigkeit, Skalierbarkeit, Verlässlichkeit und wirtschaftlicher Nutzen sind ebenso wichtig und stehen ebenfalls auf unserer Wunschliste“, erklärte Niko Andre. Ralf Angermund von Johnson & Johnson hob die Bedeutung belastbarer und reproduzierbarer Forschungsergebnisse, klarer Entwicklungsstrategien und frühzeitig etablierter Partnerschaften hervor. Nur so ließen sich vielversprechende Projekte von Beginn an gemeinsam gestalten. Beide Perspektiven verdeutlichten eine zentrale Botschaft: Wissenschaft und Industrie bringen unterschiedliche, sich ergänzende Stärken ein. Eine engere Zusammenarbeit ist entscheidend, um dieses Potenzial auszuschöpfen.

Forschungsprojekte im Spotlight

In einer Pitch-Session präsentierten Forschende drei vielversprechende translationale Projekte aus dem DKFZ und DKTK, die auf bislang unzureichend gedeckte medizinische Bedarfe ausgerichtet sind. Sie erhielten die Gelegenheit, ihre Ansätze direkt mit Vertreter:innen der Industrie zu diskutieren und wertvolles Feedback einzuholen.

  • CONSOLIDATE (Dr. Celia Dobersalske und Prof. Björn Scheffler, DKTK Essen/Düsseldorf): Das Projekt entwickelt eine neuartige zelluläre Immuntherapie gegen Glioblastome, die auf Immunzellen im Umfeld des Schädelknochenmarks basiert. Ziel ist es, neue Behandlungsmöglichkeiten für diesen besonders schwer therapierbaren Hirntumor zu finden.
  • DrugSeq Solutions (Dr. Emma Phillips, DKFZ Heidelberg): Vorgestellt wurde eine Einzelzelltechnologie, mit der sich die Aufnahme von Wirkstoffen und die zelluläre Reaktion darauf gleichzeitig messen lassen. So lässt sich unterscheiden, ob Tumorzellen tatsächlich resistent gegen ein Medikament sind oder ob der Wirkstoff lediglich das Zellinnere nicht in ausreichender Menge erreicht.
  • ResistMut (Prof. Sven Diederichs, DKTK Freiburg): Mithilfe funktioneller Genomik im Hochdurchsatzverfahren identifiziert das Projekt krebsassoziierte Mutationen, die die Empfindlichkeit oder Resistenz gegenüber Medikamenten beeinflussen. Die Ergebnisse sollen eine präzisere Therapieauswahl und die Entwicklung neuer Wirkstoffe unterstützen.

Karrierewege miteinander verbinden

Wie erhalten Forschende sowohl Einblick in die akademische als auch in die industrielle Forschung? Dr. Mariana Schulte-Sasse von der DKFZ Cancer Research Academy und Dr. Matthias Meergans vom vfa stellten Konzepte für Forschungsaufenthalte in der Industrie als Bestandteil von Karriereentwicklungsprogrammen für Clinician Scientists und Postdocs vor. Ziel ist es, Karriereperspektiven außerhalb der akademischen Forschung aufzuzeigen und den Wechsel zwischen Wissenschaft und Industrie in beide Richtungen zu fördern. Neben den Vorteilen, die unmittelbare Einblicke in die pharmazeutische Forschung und Entwicklung bieten, thematisierten die Vortragenden auch praktische Herausforderungen. Dazu zählen die Wahl des richtigen Zeitpunkts, die Abstimmung der Aufenthalte mit den wissenschaftlichen Betreuenden sowie der Umgang mit unterschiedlichen Organisationskulturen.

Offener Austausch über Herausforderungen

Eine interaktive Fishbowl-Diskussion unter der Moderation von Dr. Tim Flink vom vfa bot Raum für einen offenen Austausch über Hindernisse in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie. Die Teilnehmenden diskutierten unter anderem unterschiedliche Organisationskulturen und Erwartungshaltungen, den Übergang von der präklinischen zur klinischen Entwicklung, Fragen des geistigen Eigentums, regulatorische Anforderungen sowie die Gestaltung und Steuerung von Partnerschaften.

Dabei wurde deutlich, wie wichtig Transparenz, realistische Erwartungen und eine frühzeitige Kommunikation für erfolgreiche Kooperationen sind. Gemeinsam erörterten die Teilnehmenden, wie akademische und industrielle Partner ihre Ziele besser aufeinander abstimmen und mögliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit bereits in einer frühen Phase erkennen können.

Den Dialog fortsetzen

In ihren Schlussworten betonten Stefan Pfister und Matthias Meergans, wie wichtig es sei, aus den Diskussionen des Tages langfristige Partnerschaften entstehen zu lassen. Als nächste Schritte wurden die weitere Arbeit an einem Whitepaper zu Public-Private Partnerships, verbesserte Vernetzungsmöglichkeiten sowie ein engerer Austausch zwischen Forschenden und Fachleuten aus der Industrie benannt. „Für eine erfolgreiche Translation ist es entscheidend, die richtigen Menschen zusammenzubringen. Persönliche Kontakte und gegenseitiges Verständnis helfen uns dabei, Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zu erkennen und gemeinsam voranzutreiben“, sagte Stefan Pfister.

Der Dialog geht weiter: Aufbauend auf den Impulsen der ersten beiden Veranstaltungen wollen DKTK, DKFZ und vfa den Science meets Industry Day als regelmäßige Plattform etablieren, um Perspektiven auszutauschen, Ideen weiterzuentwickeln und neue Kooperationen anzustoßen.

© Marius Stark Foto&Video, Neri Kranz Photograph