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17.12.2019

DKTK Forscherporträt: Mit den richtigen Soft Skills erfolgreich im Wissenschaftsdschungel

Nachwuchswissenschaftlern wird meist empfohlen sich schon während der Promotion auf ein Themengebiet zu spezialisieren und ihr Forschungsgebiet so früh wie möglich abzustecken. Dennoch stellen viele junge Wissenschaftler fest, dass eine akademische Forscherkarriere kaum planbar ist. Viele Promotionsabschlüsse stehen wenigen Professorenstellen gegenüber. Am Ende sind auch exzellente Veröffentlichungen, ein gutes Ausbildungsumfeld und ein langer Atem noch keine Garantie für eine Professur. Der eher untypische Karriereweg der Freiburger Institutsdirektorin und DKTK Wissenschaftlerin Melanie Börries, dürfte jungen Medizinern und Wissenschaftlern Mut machen.

Nicht Geradlinigkeit, sondern ihre Leidenschaft für unterschiedliche Forschungsbereiche und ihre Kommunikationsfähigkeiten haben ihr u.a. zum Erfolg verholfen, verriet die Gründungsdirektorin des neuen Instituts für Medizinische Bioinformatik und Systemmedizin des Universitätsklinikum Freiburg auf der Young Academic Conference des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) im Oktober.   

Nach einem freiwilligen sozialen Jahr in der Pflege und anschließender Ausbildung zur Krankpflegehelferin, absolvierte Börries ihr Medizinstudium an der Medizinischen Universität  zu Lübeck. Während ihrer medizinischen Doktorarbeit in der Kardiologie erwachte dann ihr Interesse für die Signal- und Kommunikationswege von Zellen. Um noch eine zweite Promotion in Zellbiologie zu erlangen wechselte Börries an das Biozentrum der Universität Basel. Anschließend zog es sie nach Freiburg, an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie. Angeregt durch gemeinsame Projekte mit Physikerkollegen, begann Börries sich dort in mathematische Modelle, Bioinformatik und Statistik zu vertiefen. Warum ausgerechnet Mathe als Biologin und Medizinerin? „Ich habe darin ganz neue Möglichkeiten gesehen, nicht nur einzelne Aspekte der Zellbiologie, sondern das gesamte Kommunikationsnetzwerk von Zellen und damit komplexe Erkrankungen wie Krebs zu erforschen“, sagt Börries.

Um sich ganz diesem Fachgebiet, der sogenannten Systembiologie, widmen zu können, tat sich Börries mit ihrem Kollegen Hauke Busch, zwischenzeitlich Professor für Medizinische Systembiologie an der Universität zu Lübeck, zusammen und warb erfolgreich eine Nachwuchsgruppe ein. Im Jahr 2013 wurde diese Nachwuchsgruppe in das DKTK am Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung überführt. Börries Forschungsgruppe setzt sich aus einem interdisziplinären Team aus Physikern, Mathematikern, Bioinformatiker und Mitarbeitern zusammen, die experimentell arbeiten, darunter vor allem Biologen und Molekularmediziner. Mit Hilfe mathematischer Modelle bilden sie das Verhalten von Krebszellen ab. Dabei spielen unter anderem der Austausch von molekularen Botenstoffen und der mechanische Kontakt eine Rolle. Welche Signale haben welche Auswirkungen? Welche Proteine und Gene sind beteiligt und werden in welcher Weise reguliert? Und der Informationsaustausch zwischen einzelnen Zellen wirkt sich wiederum auf größere Strukturen aus, wie Organe und schließlich den menschlichen Körper.

Im Jahr 2019 erhielt Börries schließlich den Ruf an die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg als Professorin für Medizinische Bioinformatik. In vielen Forschungsvorhaben und Netzwerken ist Börries Expertise jetzt gefragt. In dem standortübergreifenden Krebsgenomsequenzierungsprogramm MASTER von DKTK und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) beispielsweise fahnden Börries und Kollegen nach therapierelevanten Gendefekten in Tumoren, um mögliche therapeutische Ziele für jeden Patienten individuell und genau bestimmen zu können. Durch das Projekt sollen insbesondere jüngere Krebspatienten und Patienten mir seltenen Tumorerkrankungen in Deutschland eine umfassende Krebsgenomanalyse erhalten, um die Behandlung individuell anzupassen und Patienten einer passenden klinischen Studie zuzuordnen.

Rückblickend seien es jedoch nicht allein die wissenschaftlichen Leistungen, die darüber entschieden, ob man sich in der Forschung einen festen Platz sichern kann, betonte Börries bei ihrem Vortrag in Heidelberg. Man müsse auch die richtigen Soft Skills mitbringen. „Bleibt neugierig, offen für neue Ideen und stärkt eure Kommunikationsfähigkeiten“, riet Börries, ihrem Publikum. Derzeit nimmt die Professorin am „DKTK Roadtrip“ teil, um gemeinsam mit anderen DKTK Wissenschaftlern, ihre Arbeiten an den unterschiedlichen Standorten des Konsortiums vorzustellen.

Außerdem sei ein ausgefülltes Privatleben der beste Schutz, um auch mal beruflichen Krisen standzuhalten, sagt Börries. Eine wissenschaftliche Karriere verlange einem sehr viel ab, da brauche man sowohl im Job als auch privat Unterstützung. Börries nahm sich nach der Geburt ihres Sohnes zwei Jahre Auszeit für die Familie. Sie ist besonders stolz darauf, gemeinsam mit ihrem Mann den Spagat zwischen Forschung und Familie gemeistert zu haben: „Das ist für uns beide wie permanentes intensives Projektmanagement. Man lernt seinen Alltag sehr effektiv zu strukturieren. Mein Zeitmanagement war nie besser.“

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