Standortübergreifende Initiative

LACID: LSD1 als Antitumor-Target in der Klinik (TRANSATRA) und der Wirkstoffentwicklung

Für Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML), insbesondere bei älteren Erkrankten, ist die Behandlung mit Standard-Chemotherapie derzeit oft unbefriedigend. Ein in dieser Krebsart verstärkt auftretendes Protein, die Lysin-spezifische Histon-Demethylase-1 (LSD1), wird von Wissenschaftlern als vielversprechendes Ziel für eine neue AML-Therapie eingestuft. Dieses Protein verändert das Ablesen der Erbsubstanz, ein als epigenetische Regulation bezeichnetes Phänomen, das an der Krebsentstehung beteiligt ist.

DKTK-Ärzte untersuchen in diesem Projekt zunächst eine auf LSD-1-Inhibition basierende Therapie in AML Patienten. Dabei nutzen sie aus, dass ein LSD-1 blockierender Wirkstoff, TCP (Tranylcypromin), bereits für die Anwendung am Menschen, allerdings zur Behandlung von Depressionen, zugelassen und gut verträglich ist. In Zellkulturen und Tierexperimenten wurde nachgewiesen, dass TCP gemeinsam mit einem weiteren Wirkstoff, ATRA, sehr wirksam ist. Dabei wird das Wachstum der AML-Zellen blockiert. Nun bieten die Ärzte AML-Patienten, bei denen etablierte Therapien unwirksam sind, diese TCP/ATRA-Kombinationstherapie im Rahmen einer Klinischen Studie an. Dabei untersuchen sie die Verträglichkeit und die molekularen Auswirkungen auf die Tumorzellen der Patienten. In einem zweiten Ansatz untersuchen Wissenschaftler einen weiteren Wirkstoff gegen LSD-1, Namolin. Sie stellen mit Hilfe von Strukturanalysen zunehmend optimierte Wirkstoffvarianten her, deren Wirksamkeit sie zunächst im Labor untersuchen. Mit besonderem Interesse verfolgen sie dabei, wie die molekularen Auswirkungen auf AML-Zellen im Vergleich zu den Ergebnissen für TCP in AML-Patienten ausfallen.

Da LSD-1 auch bei anderen Krebserkrankungen, wie Hirntumore, Darmkrebs und Prostatakrebs, eine Rolle spielt, testen Experten an den verschiedenen DKTK-Standorten die Wirksamkeit der neuen LSD-1-Inhibitoren auch in den Zellen dieser Krebserkrankungen. Dabei liegt der Fokus auf der Erforschung der Wirkmechanismen in den verschiedenen Tumoren. Die Wissenschaftler haben das Ziel, die Erkenntnisse aus der Behandlung von AML-Patienten auch für die Entwicklung besserer Therapien bei anderen Krebserkrankungen zu nutzen.


Koordinatoren

Michael Lübbert, Manfred Jung (beide Partnerstandort Freiburg)

Beteiligte Standorte

Dresden, Frankfurt/Mainz, Freiburg, Heidelberg, München, Tübingen