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25.03.2019

Krebsforschung muss in der Gesellschaft ankommen – Neues Strategiekonzept für Europa

„Krebs zu heilen“ ist einer der insgesamt fünf Schwerpunkte des neuen europäischen Rahmenprogramms Horizont Europa. Das hat der Rat der Europäischen Union am 19. Februar in Brüssel beschlossen. In einem Themenband hat die European Academy of Cancer Sciences (EACS), Cancer Core Europe und Cancer Prevention Europe jetzt Empfehlungen und mögliche Ziele ausformuliert, um die Entwicklung einer europäischen Krebsstrategie voranzutreiben. Als erfolgreiches nationales Modell der Krebsforschung wird das Deutsche Krebskonsortium (DKTK) vorgestellt.

Patrick Berger/Wikimedia Commons

Die steigende Zahl der Krebserkrankungen in Europa stellt die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Studien zufolge wird die Anzahl der Menschen, die neu an Krebs erkranken, in den nächsten 20 Jahre von 3,6 Millionen auf 4,3 Millionen steigen. Hinzu kommt die Anzahl der Patienten, die chronisch mit der Krankheit leben müssen.

In der aktuellen Spezialausgabe des Fachjournals Molecular Oncology plädieren die Wissenschaftler für eine umfassende flächendeckende Krebsstrategie, um Forschungsergebnisse zukünftig effektiver in die europäische Gesundheitsversorgung überführen zu können. So sei es ein ehrgeiziges aber durchaus realistisches Ziel, dass drei von vier Krebspatienten bis zum Jahr 2030 in Ländern mit gut funktionierenden Gesundheitssystemen langfristig überleben. Die europäische Krebsforschung müsse sich dafür zu einer gemeinsamen „Translationsplattform“ zusammenschließen, um beispielsweise gemeinsame klinische Studien umzusetzen, die Auswertung von Daten in verschiedenen Ländern zu harmonisieren und effektive Vorsorgekonzepte zu entwickeln. Zudem sei es notwendig, die Comprehensive Cancer Centers Europas auf den gleichen Stand zu bringen, damit alle Länder von den modernsten Vorbeugungsangeboten und Behandlungsmethoden profitierten.

Wie die Kompetenzen führender Krebszentren auf nationaler Ebene gebündelt werden können, zeigt das Modell des Deutschen Krebskonsortiums, das in der Veröffentlichung vorgestellt wird. Im DKTK kooperieren Universitätskliniken an sieben Partnerstandorten mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, um erfolgversprechende Ergebnisse der Grundlagenforschung so schnell wie möglich in die klinische Praxis zu bringen. Das Konsortium fördert akademische Strukturen und wissenschaftliche Infrastrukturen für eine vernetzte Krebsforschung in Deutschland. Für Experten der klinisch-orientierten Krebsforschung werden Stellen geschaffen, um die Karriereperspektiven im Bereich translationale Krebsforschung auszubauen. Technische Plattformen ermöglichen jedem Standort den Zugang zu neuen Methoden und Forschungsdaten. Zudem erhalten klinisch relevante standortübergreifende Projekte zusätzliche Fördergelder.

„Das DKTK hat einen wichtigen Schritt getan, um besonders forschungsaktive, zertifizierte Krebszentren in einer Plattform zusammenzuführen. Es ist deshalb auch ein echter Wegbereiter für die europäische Verbundforschung im Bereich Krebs“, sagt Ulrik Ringborg vom Karolinska Institut in Schweden, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des DKTK und Generalsekretär von EACS. Michael Baumann, wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums und Sprecher des   DKTK unterstreicht die Wichtigkeit, den europäischen Wissenschaftsraum auf diesem Gebiet aufzubauen: „Dabei müssen die europäischen Netzwerke auch durch nationale Netzwerke wie dem DKTK gestützt werden.“

Mit den veröffentlichten Leitlinien will die Wissenschaftsgemeinschaft der europäischen Krebszentren die Politik in Brüssel in den kommenden Monaten bei der Entwicklung eines Krebsplans unterstützen. „Ebenso wie die deutsche Bundesregierung, die kürzlich die Nationalen Dekade gegen Krebs ausrief, setzt das EU Parlament damit ein wichtiges Signal, um den Kampf gegen Krebs zu beschleunigen“, betont Michael Baumann.

Originalveröffentlichung:
Sonderausgabe Molecular Oncology: Boosting the Social Impact of Innovative Cancer Research. 1. März 2019, DOI 10.1002/1878-0261.12335